In der Erziehung spielt die Stimme, in den meisten Fällen,eine entscheidende Rolle. Da ist es wichtig,  das man jeder Situation die richtige Tonlage zu ordnen kann. Der Hund kann sonst schnell frustriert werden oder auch verwirrt. Aber warum ist der Tonfall so entscheidend und was macht ihm so wichtig?  Das habe ich mal etwas genauer durchleuchtet.

Ich bin keine Hundetrainer und meine Aussagen basieren auf meine eigenen Erfahrungen und Rücksprachen mit unserer Hundetrainerin. Ebenso weise ich darauf hin, dass meine Aussagen sich auf die Zeit VOR Jessis Taubheit beziehen.

Ein Hund ist in gewissem Sinne wie ein Kind, das nie aus der Pubertät kommt. Man muss von Anfang an in der Erziehung einige Grundregeln haben, Kommandos. Natürlich darf man Spaß haben und albern sein. Aber auf die Erziehung direkt wollte ich heute nicht eingehen. Und deshalb kommt hier  der Ton ins Spiel.

dsc_1801

Wenn ich von meinem Hund etwas erwarte, möchte dass er etwas macht, dann kann ich ihn zum Beispiel, nicht gleich in einem genervten oder gestresstem Tonfall ansprechen oder gar anschreien. Wenn jemand etwas von mir möchte, erwarte ich auch, dass ich vernünftig angesprochen werde. Ein neutraler, aber dennoch bestimmender Ton ist da von Vorteil. Ebenso wichtig ist, meiner Ansicht nach, ein kurzes Kommando zu wählen. Ein simples Beispiel: Wenn ich möchte das Jessi sich hinsetzt heißt es sitz. Sind wir mit mehreren unterwegs, sage ich einmal ihren Namen damit sie auch weiß, dass sie gemeint ist. Falsch ist es jedoch, den Hund in ganzen, unfreundlichen Sätzen zum Sitzen zu bewegen Nun setz dich doch mal hin jetzt! Da hat der Hund nach dem dritten Wort schon das Interesse verloren.

Oftmals wird auch das Loben nach dem ausgeführten Kommando vergessen. Wenn Jessi  Sitz macht, dann lobe ich sie. Ich streichle ihr einmal über den Kopf und sage in einem freundlichen Ton fein oder gut gemacht. Ebenso wie bei einem Kind, das seine Aufgaben erledigt. Lobt man einen Hund für seine Ausführungen nicht, kann er sehr schnell frustriert werden und das Interesse verlieren. Wofür mache ich das hier eigentlich? Ich kann mich noch so bemühen, Frauchen/Herrchen ist das eh egal. Natürlich gibt es auch Hunde, die befolgen das Kommando nicht gleich. Bei Jessi habe beim dritten Mal einen schärferen Ton angeschlagen, noch bestimmter. Hat sie dann immer noch nicht reagiert, habe ich es noch mal wieder holt und ihren Popo angestupst. Mein Tonfall war aber immer noch nicht genervt oder sauer. Und gelobt habe ich sie trotzdem.

Bei einem genervten oder gar unfreundlichen Ton, denkt der Hund oft von vornherein, dass er etwas falsch gemacht hat. Im schlimmsten Fall schüchtert man ihn damit sogar ein und macht ihm Angst. Leider sehe ich immer wieder, vor allem in der Stadt, aber auch im Bekanntenkreis, dass der Hund von vornherein angeschrien wird und die Kommandos nicht neutral gegeben werden. Der Hund reagiert dann meistens schon gar nicht mehr und wird dann mit einem kräftigen Zug an der Leine bestraft. Die Frustration von Herrchen/Frauchen geht dann natürlich auf den Hund über.

dsc_3852

 

Hunde nehmen nicht nur über die Leine unser Gemüt wahr, sondern auch über unsere Stimme. Sind wir sauer und reden auch so mit ihnen, nehmen sie das wahr und sind verunsichert. Was habe ich getan, warum bist du sauer? 

Bei uns gibt es drei Tonfälle

  • Der Neutrale: Wenn ich etwas von Jessi möchte, schlage ich diesen Ton an. Soll sie bei Fuß laufen, Sitz machen oder Platz.
  • Der Freundliche: Dann rede ich meistens in einem hohen Tonfall, das klingt freundlich. Dann lobe ich Jessi für ihr Verhalten
  • Der Böse: Auch Jessi ist nicht perfekt. Sie hat manchmal keine Lust oder war unartig. Dann spreche ich in einer tiefen, bestimmten Stimmlage. Trotzdem beschränke ich mich auch hier auf ein kurzes aus oder sitz 

Ab und zu gibt es auch kleine Machtkämpfe, in denen Jessi sich wie ein Rüpel beim Gassi benimmt. Dann testet sie wieder an, wer der Boss ist. Auch hier bleibe ich anfangs neutral; ich kann sie ja nicht gleich mit meiner Stimme bestrafen. Erst wenn es „eskaliert“ und Jessi sich nicht beruhigt gibt es ein böses Kommando. Aber dann war es das auch schon wieder.

Für ein harmonisches Miteinander gehört die Erziehung dazu und dazu gehört in meinen Augen auch der Tonfall. Bin ich freundlich (und natürlich auch liebevoll) zu meinem Hund, ist er es auch zu mir und folgt mir überall hin.