09 Jun

 

In einer Woche lebt Jessi genau drei Jahre bei mir. Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht! Gestern kam sie das erste Mal in meine Wohnung und heute muss ich mein Sitzkissen vor ihr verteidigen… 😉 Sie hat sich verĂ€ndert. Wir haben uns verĂ€ndert. Vor allem mein Leben hat sich stark geĂ€ndert. Es hat sich Jessi und ihren BedĂŒrfnissen angepasst.

 

Zu Anfang war alles Neu und wir mussten uns einander anpassen. Heute haben wir einen Rhythmus gefunden, der auf uns beide abgestimmt ist und Jessi trotz meiner Arbeit nicht zu kurz kommt. Und auf diesen poche ich auch, komme was wolle. Da bin ich sehr unflexibel und lasse auch nicht viel mit mir diskutieren. 

 

Schon mehr als einmal musste ich mir anhören „Das ist doch nur ein Hund, du kannst auch mal frĂŒher Gassi gehen!“ Nein, kann ich eben nicht! Ich bin auf unsere festen Zeiten angewiesen, weil ich TagsĂŒber arbeiten bin, sodass ich sie nicht mal eben frĂŒher raus lassen kann, nur weil sie aus dem Rhythmus ist, weil ich mal zwei Stunden eher mit ihr gelaufen bin. Des öfteren höre ich auch „Das ist doch nur ein Hund, den kannst du auch mal alleine lassen!“ Nein, kann ich nicht. Wenn ich acht Stunden aus dem Haus bin, komme ich nicht nach Hause, gehe Gassi und verschwinde wieder fĂŒr einige Stunden. Dann brauche ich mir kein Lebewesen ins Haus holen, um das ich mich kĂŒmmern möchte. Denn, ein Hund ist keine Sache oder ein Spielzeug, dass ich nehme wenn ich will. Ein Hund ist ein Lebewesen mit GefĂŒhlen. 

Gerne mag ich auch den Satz „Nun lass sie das doch fressen, ist doch ein Hund, schadet doch nicht!“ Doch. Schokolade, Schinken, Hamburger, Bifi, Paprika usw. sind alles Dinge, die nicht unbedingt gesund fĂŒr Hunde sind oder Jessi nicht vertrĂ€gt. „Klar, gib ihr das. Ich lasse sie dann heute Nacht hier, damit du mit ihr bei Durchfall alle halbe Stunde raus gehen kannst und den Tierarzt bezahlst.“ Dann werde ich immer angeguckt, als wĂ€re ich ein Alien und muss mir anhören „Das ist nur ein Hund und kein Kind!“ 

 

NatĂŒrlich ist Jessi kein Kind. Aber sie ist ein Lebewesen, um das ich mich bereit erklĂ€rt habe mich zu kĂŒmmern. Sicherlich habe ich durch Jessi einiges an meiner Freizeit oder eher an meiner Ungebundenheit verloren. Ich kann nicht mal eben weg fahren oder stundenlang wegbleiben. Aber das mache ich gerne. Ich habe keine Probleme damit, meine Ungebundenheit gegen einen feuchten, dankbaren Hundekuss einzutauschen. 

 

Jessi braucht Regeln. Wie ein Kind. Ja, das sage ich jetzt wirklich. Aber dennoch ist Jessi kein richtiges Kind, das ist mir wohl bewusst 😉 Ich möchte aber nicht monoton einen Hund an der Leine haben, der entweder total gelangweilt, frustriert, aggressiv oder unerzogen ist. Deshalb gibt es ein paar Dinge, auf die ich Wert lege. Kleine Regeln, wie ein Spaziergang abzulaufen hat. Und die mĂŒssen immer wiederholt werden, damit sie nicht vergessen werden. NatĂŒrlich baue ich auch mal kleine Aufgaben fĂŒr sie ein. Macht Jessi diese Dinge von alleine, wie am Bordstein sich hinsetzten, dann lobe ich sie. Macht sie es nicht, erinnere ich sie daran und lobe sie dann.Wie bei einem kleinen Kind. Wozu? Ich möchte einfach nicht, dass sie auf die Straße rennt und angefahren wird. Kleinigkeiten können den Spaziergang nicht langweilig werden lassen und auch die Bindung zwischen Mensch und Hund fördern. Dazu kommen die kleinen Dinge zu Hause, damit hier nichts schief geht. Sie soll sich hinsetzten bevor sie frisst und muss auf ein „go“ warten, bevor ich ihr die Leine anziehe, muss sie Sitz machen und wenn sie zu aufgedreht ist, muss sie auf ihrem Platz warten. 

 

Und selbstverstĂ€ndlich hat Jessi GefĂŒhle. Wer etwas anderes von seinem Hund behauptet, hat ihn sich nie richtig angesehen… Sorry! Und es macht mich unheimlich glĂŒcklich zu sehen, dass Jessi glĂŒcklich ist. Ich bin so froh, dass sie bei mir ist und sie so dankbar. Auch wenn sie mir beim Kuscheln manchmal ins Gesicht pupst… 😉

 

Jessi ist fĂŒr mich mein Seelenhund, eine Freundin, Familienmitglied. Und so jemanden lĂ€sst man nicht einfach alleine, nur weil man mal weg will. Ich plane meine Tage so, dass es mit ihren Gassizeiten passt und ich keine Angst haben muss, dass zu Hause ein Malheur passiert. Dann gehe ich eben als erste von einer Party nach Hause oder komme ein paar Minuten spĂ€ter. In wirklich wichtigen Dingen bitte ich meine Hundenanny um Hilfe. Gerne wĂŒrde ich auch mal wieder ausschlafen oder frĂŒh ins Bett, aber das geht nun mal leider nicht immer so, wie ich mir das vorstelle.

Ich stoße viel zu oft auf UnverstĂ€ndnis was mein Denken und Handeln mit Jessi angeht, meistens jedoch von nicht Hundemenschen. Das finde ich sehr schade, aber ist ja nicht deren Leben 😉 Manchmal ĂŒbertreibe ich es auch und das weiß ich. Aber das ist auch okay. Jeder Mensch hat so sein Ding, das er gerne macht und in dem er auch mal ĂŒbertreibt.

 

Weil ich also „nur einen Hund“ habe, ist mein Leben eingeschrĂ€nkt. Aber das ist okay.  Das sind Jessi und ich. Und jetzt möchte meinen „nur“ Hund kuscheln.