04 Dez

Am Anfang hab ich gedacht das Jessi einfach nur mal wieder eine ihrer Bockmomente hatte, wie ein Teenager. Die hatte sie ja öfter, sie fing ja an „wach“ zu werden. Also hab ich mir nicht viel dabei gedacht und ganz normal weiter gearbeitet mit ihr. Bis es mir beim Zubettgehen wie Schuppen von den Augen fiel – sie kam auf mein Rufen hin nicht mit ins Bett.

Und jetzt? Ich habe viele verschiedene Geräusche getestet, was sie noch hören könnte, damit ich sie beim Gassi weiterhin abrufen könnte. Zu erst nahm sie den Klicker noch wahr, das war aber auch recht schnell vorbei, leider. Aber wie machen wir das denn jetzt zu Hause? Fast genauso wie vorher.

Ich wollte von Anfang an, dass Jessi verbale und körperliche Kommandos bekam. Nur jetzt musste ich sie darauf konditionieren, dass sie mich auch ansah. Mit Stimme gar kein Problem, aber ohne? Etwas schwieriger. Aber auch daran gewöhnt man sich. Wenn ich jetzt etwas von ihr möchte, tippe ich sie an oder wedel mit den Fingern vor ihrem Gesicht rum. 

Beim Gassi tut es mir oft leid  das sie taub ist.  Sie kann nicht mit den anderen ohne Leine rumlaufen und spielen. Das ist dann wirklich schon eine Besonderheit, wenn es dazu kommt. Manchmal verzweifle ich auch wirklich. Ein agiler, taubr Hund ist nicht so einfach. Jessi fordert noch recht viel. Aber denn och gibt es Regeln zu befolgen und da hat sie, wie jeder andere Hund auch mal, nicht immer Lust zu. Wenn ein „normaler“ Hundebesitzer dann im schärferen Ton redet, gibt es bei uns einen kurzen Ruck an der Leine, einen Stups auf die Kruppe oder im Ernstfall (zum Beispiel wenn sie nicht aufhören möchte zu bellen) halte ich die Schnauze zu. Es tut mir dann immer sehr leid, weil ich weiß, dass es auch mal anders ging. Aber auch das schaffen wir. Es wird ein langer Weg werden und ich werde sicherlich noch öfter verzweifeln. Aber ich versuche es wirklich mit Zuversicht zu nehmen und jeden Tag ein wenig zu üben und nicht aufzugeben.